Samstag, 19. März 2016

Lunadar 2 Szene


Wie versprochen gibt es ab heute jeden Tag eine Kleinigkeit zu Lunadar 2. :-)

Diesmal ist es eine Szene aus dem Buch. Ich hoffe, sie gefällt euch.


Ariana biss unruhig auf ihrer Unterlippe herum. Warum funktionierte ihre Immunität nur durch Berührung? Wenn sie die Hexen vom Zaubern abhalten könnte, würde sie sich besser fühlen. Zu dumm, dass ein Blick dafür nicht reichte.
Sie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und versuchte zu relaxen. Falls Cassy und Joanne etwas Verdächtiges taten, würde sie zu ihnen gehen. Sie seufzte. Seit wann war sie so paranoid und ging gleich vom Schlimmsten aus? Ach ja, seit es eine Unmenge an übernatürlichen Wesen auf sie und ihre Freunde abgesehen hatten. Sie vergaß den Gedankengang, als sich ihre Nackenhaare aufstellten und ein Kribbeln ihren Rücken hinunterlief. Jemand beobachtete sie.
Instinktiv drehte sie sich nach links. Sie suchte das Pandora ab, bis sie an einem gut gebauten Oberkörper hängen blieb. Ihr Blick wanderte höher. Dunkle Augen musterten sie unverhohlen. Ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Sie wusste, dass sie sich abwenden und so schnell wie möglich verschwinden sollte. Stattdessen wartete sie, während der Mann - nein Werwolf - mit geschmeidigen Schritten auf sie zukam.
„Amador“, flüsterte sie kaum hörbar, als er vor ihr stehen blieb. Seine langen, dunklen Haare fielen ihm über die Schultern. Muskeln zeichneten sich deutlich unter seinem schwarzen Shirt ab. Sie schluckte und verbannte die Bilder, die in ihrem Geiste auftauchten. Bilder, in denen er keine Kleidung trug. Hitze durchströmte ihren Körper. Bestimmt wurde sie knallrot. Sie verfluchte ihren hellen Hauttyp und hoffte, er konnte sie aufgrund der Dunkelheit im Club nicht gut sehen.
„Ariana“, erwiderte er und lehnte sich lässig gegen den Tisch, an dem sie saß. Das Leuchten in seinen Augen verriet ihr, dass er wusste, woran sie dachte. Oder bildete sie sich das ein? „Ich habe gehofft, dich hier anzutreffen.“
„Ach ja?“, murmelte sie, unsicher, ob sie sich darüber freuen sollte. Wahrscheinlich nicht. Er übte eine viel zu große Anziehungskraft auf sie aus. Darüber hinaus war er gefährlich, wie ihr das fluchtartige Aufbrechen der Pandora-Besucher um sie herum verdeutlichte. Weicheier, schoss es ihr durch den Kopf. So leicht würde sie sich nicht vertreiben lassen. Vor einem Werwolf zeigte man besser keine Schwäche. Außerdem hatte Amador ihnen gegen die Teycra Dämonen geholfen. Das deutete darauf hin, dass die meisten Schauergeschichten über ihn nur Gerüchte waren.
„Ja“, bestätigte er.
Ariana starrte ihn an. Wie konnte so ein kleines Wort so bedeutungsvoll und verrucht klingen? Er sollte für eine Sex-Hotline arbeiten. Da würde er ein Vermögen machen. Nicht, dass er das nötig hatte. Seiner Familie gehörte halb Lunadar.
„Wir hatten eine Abmachung.“ Seine Worte rissen sie aus ihren Gedanken. Verwirrt blinzelte sie ihn an.
„Was für eine Abmachung?“, fragte sie leise, ein flaues Gefühl im Magen.
„Dass ich beim nächsten Mal eine Gegenleistung für meine Hilfe bekommen würde.“
Ariana schluckte. Sie erinnerte sich an seine Worte bei ihrem Besuch im Lunar Schloss. „Ich habe weder zugestimmt noch um Hilfe gebeten“, versuchte sie, sich herauszureden, während sie sich ausmalte, was er als Gegenleistung erwartete. Kaum eine ihrer Ideen ging als jugendfrei durch. Sie atmete tief durch und hoffte, er konnte das Rasen ihres Herzschlags nicht hören.
„Dennoch habe ich mindestens einem deiner Freunde das Leben gerettet.“
Julians Gesicht erschien vor ihren Augen. Wäre Amador nicht aufgetaucht, hätten die Teycra ihn wahrscheinlich umgebracht.
„Das sollte dir ein kleines Dankeschön wert sein, oder?“
Natürlich war es das, und das wusste er.
„An was hast du gedacht?“, fragte sie und rieb ihre feuchten Hände an ihrem Rock. Warum war es plötzlich so heiß?
„Nichts Besonderes, nur ein paar Stunden deiner Zeit. Morgen Abend.“
„Ich … ich habe eine Freundin“, platzte sie heraus, als ihre Fantasie mit ihr durchging und ihr im Detail ausmalte, was er innerhalb dieser Stunden mit ihr anstellen wollte.
Eine dunkle Augenbraue hob sich. „Wenn du möchtest, kannst du sie mitbringen.“
Arianas Augen weiteten sich. Stand er etwa auf …
„Ich werde dir die Adresse des Restaurants per SMS zukommen lassen.“ Seine Worte unterbrachen ihren Gedankengang.
„Re… was?“, stammelte sie und sah ihn mit hochrotem Kopf an.
Lachend lehnte Amador sich zu ihr. „Re-stau-rant“, betonte er. „Oder möchtest du einen Gegenvorschlag machen und mir erzählen, woran du gedacht hast?“
„Nein, nein.“ Essen gehen … er wollte nur etwas mit ihr essen! „Okay“, murmelte sie. Das war halb so schlimm.
„Gut, wir sehen uns morgen. Zieh was Schickes an. Am besten in hellblau.“ Das Letzte flüsterte er ihr ins Ohr, bevor er mit großen Schritten davonging.
Ariana runzelte die Stirn. Hellblau? Wieso ausgerechnet diese Farbe? Sie überlegte einen Moment, fand aber keinen guten Grund. Dann wurde ihr klar, dass sie zugestimmt hatte, mit Amador Lunar auszugehen. Wie konnte das nur passieren? Und warum hatte sie sich wie ein tollpatschiger Teenager verhalten? Sie ließ den Kopf sinken, bis er auf dem Tisch landete. Hätte sie sich noch dämlicher anstellen können? Sie bezweifelte es. Wahrscheinlich amüsierte sich Amador köstlich über sie. Und was würde Ira davon halten, dass sie eine Verabredung mit einem Mann hatte? 

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